Augentröster   

Filme von Franz Indra

2 Tage New York

Sie können diese Filmkritik unbesorgt lesen, ich werde keine entscheidenden Geheimnisse der Handlung verraten.

Die französische Schauspielerin Julie Delpy, vor allem bekannt für ihre Rollen bei Richard Linklater (ein weiterer Before Sunset ist in Arbeit) und Krzysztof Kieslowski, ist ja nun schon seit einiger Zeit auch Regisseurin und findet offensichtlich Gefallen an dieser Seite der Filmarbeit. Tatsächlich hat sie mit 2 Tage New York nun ihre erste Fortsetzung gedreht, von 2 Tage Paris. Damals wie jetzt geht es um den culture clash innerhalb eines französisch-amerikanischen Paares und der Verwandtschaft.

Wie es immer so ist mit romantischen Komödien – am Ende von 2 Tage Paris blieb nach allen Irrungen und Wirrungen das Paar natürlich doch zusammen. Da eine Fortsetzung mit dem gleichen Partner aber allzu wenig neues Material hergeben würde, hat Marion (Delpy selbst in der Hauptrolle) zu Beginn des neuen Films schwuppdiwupp einen neuen Freund, der alte taucht gar nicht mehr auf. So viel dazu, wie Filme an ihre eigenen Aussagen glauben.

Immerhin wird die Vergangenheit nicht völlig ausgeblendet, beide Seiten haben ein Kind mit in die Partnerschaft gebracht und zögern noch mit dem gemeinsamen Nachwuchs. Ansonsten variiert Delpy die bewährte Konstellation aber nur oberflächlich: Der Freund ist jetzt schwarz statt jüdisch, die Familie trifft sich in den USA statt in Frankreich. Vater Jeannot (von Delpys echtem Vater gespielt), Schwester Rose und ihr Freund Manu sind bereits alte Bekannte aus 2 Tage Paris, die Schauspieler wirkten teilweise auch am Drehbuch mit. Delpys Mutter ist vor drei Jahren verstorben, die von ihr verkörperte Mutter im Film ebenso.

Erneut ist die humoristische Basis, daß der eher introvertierte Amerikaner an den ihm wild und barbarisch erscheinenden Franzosen schier verzweifelt – sie sind aber auch wirklich als hemmungslos und nicht gerade taktvoll überzeichnet. Darüber hinaus beschäftigt sich das Paar aber auch ausgiebig mit den eigenen Neurosen: Die zehnjährige Tochter will sich zu Halloween als blutverschmierte Prinzessin kostümieren? Sie muß eine Obsession mit dem Tod haben! Aber sie kann ja immer noch Gothic-Poetin werden… Ganz nett ist die Darstellung der positiven Vorurteile der linksliberal eingestellten Franzosen gegenüber Schwarzen. Ein Höhepunkt sind die Gespräche über Obama: „Ich mag ihn, aber den Friedensnobelpreis hatte er nicht verdient“ (wird dem Gesprächspartner nur teilweise übersetzt, da eine für die USA zu differenzierte Einstellung) und mit gereckter Faust „Obama, socialiste!“ (was seine Unterstützer gar nicht gerne hören).

Insgesamt bietet die Fortsetzung aber zu wenig Neues und ist sogar für sich genommen schwächer als der erste Film. Damals wurde Delpy der seltsame Vorwurf gemacht, Woody Allen könnte das aber besser – zweifellos richtig, aber ist das die Meßlatte für einen Regie-Neuling? Inzwischen gibt es jedoch Erwartungen, die hier nicht wirklich eingelöst werden. Es ist auch immer problematisch, wenn ein Schauspieler Regie führt und selbst die Hauptrolle übernimmt; das geht nur selten gut. Es hätte dem Film wohl gut getan, wenn Delpy die Kollegen an einer etwas kürzeren Leine gehalten hätte, sie drehen immer wieder zu sehr auf. Schwächen zeigen sich insbesondere, wenn Delpy alleine vor der Kamera improvisiert, z.B. bei ihrem Telefonat mit einer Hotline. Hier fehlt die Regie völlig, die Szenen wirken wie nachträglich zusammengestückelt.

Ganz unterhaltsam ist das Ergebnis aber allemal. Vincent Gallo spielt sich überzeugend selbst, Chris Rock zeigt in der Rolle als Freund, daß er auch etwas weniger überdreht auftreten kann als sonst. Und sehr schnell sind für Julie Delpy, die es gerne etwas frivol mag, anscheinend die Grenzen dessen erreicht, was in amerikanischen Filmen möglich ist: Der alte Vater zeigt bei der Massage aus Versehen sein Hinterteil – huch!

Meine IMDb-Bewertung: ****** (6 von 10)

2 Days in New York, Deutschland/Frankreich/Belgien, 2012, 96 min.

Regie: Julie Delpy

Drehbuch: Julie Delpy, Alexia Landeau und Alexandre Nahon

Kamera: Lubomir Bakchev

Darsteller: Julie Delpy, Chris Rock, Albert Delpy, Alexia Landeau, Alexandre Nahon

© 2017 by Franz Indra