Augentröster   

Filme von Franz Indra

Gefährliche Begierde

Sie können diese Filmkritik unbesorgt lesen, ich werde keine entscheidenden Geheimnisse der Handlung verraten.

Mike Figgis ist ein weiten Weg gegangen, von Stormy Monday und Internal Affairs über Hollywood-Ruhm für Leaving Las Vegas und Hollywood-Spott für One Night Stand zu Experimenten wie Timecode und Hotel, mit denen er dem Mainstream den Rücken gekehrt hat. Nach einigen Jahren mit Kurzfilmen, Serien-Arbeiten und als Dozent konnte er nun wieder einen Spielfilm machen: Suspension of Disbelief, der bei uns ohne Kino-Auswertung nun auf DVD unter dem so reißerischen wie irreführenden Titel Gefährliche Begierde erscheint.

Ein Drehbuchautor (Sebastian Koch) und seine schauspielernde Tochter verstricken sich in ihren eigenen Werken, Personen tauchen in ihrem Leben auf, die vielleicht nur erdachte Figuren sind. Mal soll die Illusion der Inszenierung den Zuschauer auf’s Glatteis locken, mal wird sie extra gebrochen. Irgendwann verdächtigen sich zwei Liebende gegenseitig, Morde begangen zu haben, die womöglich nur in ihrer Vorstellung stattgefunden haben. Selbst der ermittelnde Polizist läßt sich von seinen Erlebnissen zu einem Roman inspirieren.

Ja, Mike Figgis liebt die Selbstreflexion. Das Ganze ist ihm dabei allerdings etwas selbst verliebt geraten, man hat so ein Konzept, mit Verlaub, auch schon besser umgesetzt gesehen. Ein wenig scheint die Leidenschaft zu fehlen, es bleibt auch der Verdacht, daß Mike Figgis aus der Not, für keine großen Projekte mehr gebucht zu werden, unbedingt eine Tugend machen will. Er zeichnet neben Drehbuch und Regie auch für Co-Produktion, Kamera, Schnitt und sogar Musik verantwortlich – Film als Ein-Mann-Unternehmen. Auf diese Weise kann man niemand anderen für Fehler verantwortlich machen, sagt er dazu.

Meine IMDb-Bewertung: ****** (6 von 10)

Suspension of Disbelief, Großbritannien, 2012, 112 min.
Drehbuch, Regie und Kamera: Mike Figgis
Darsteller: Sebastian Koch, Lotte Verbeek

© 2017 by Franz Indra