Augentröster   

Filme von Franz Indra

Hamburger Filmgespräch: „La Mala Educación“

Spanien 2004 | 106 min. | Regie: Pedro Almodóvar | mit Gael García Bernal, Fele Martínez, Javier Cámara u.a.
Mittwoch, 26.07.2017, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Im Spanien der Franco-Zeit entdecken zwei Jungen – Ignacio und Enrique – Liebe, Kino und Angst in einer christlichen Schule. Ihr Schulleiter Pater Manolo ist Täter und Zeuge zugleich. Die drei begegnen sich in 70er und 80er Jahren erneut, mit gewandelten Identitäten.

Almodóvars Meisterwerk handelt von sexuellem Mißbrauch und noch viel mehr: Kreativität, Selbsttäuschung und der Sehnsucht, sich zu verlieben. Der Zuschauer darf sich seiner Sache nicht zu sicher sein, mit jeder Wendung wechselt der Film sein Genre.

Die Hamburger Filmgespräche werden von der Interfilm-Akademie in Kooperation mit dem Hamburger Kino Metropolis veranstaltet. Es moderieren der Filmemacher Franz Indra und der Autor Stefan Preis.

Ehrenpeis der Interfilm-Akademie an Artur Brauner auf dem Filmfest München

Wie jedes Jahr vergibt die Interfilm-Akademie auf dem Filmfest München (22. Juni bis 1. Juli) den One-Future-Preis und einen Ehrenpreis an eine Persönlichkeit des Filmlebens.

Dieses Jahr wird der Produzent Artur Brauner für sein Lebenwerk geehrt. Die von ihm 1946 gegründete Central Cinema Comp. Film GmbH zählt zu den größten und erfolgreichsten Filmproduktionsfirmen der deutschen Nachkriegszeit und gilt heute als das älteste aktive, unabhängige Filmunternehmen Deutschlands.

Die Bekanntgabe des inzwischen 98-jährigen Preisträgers hat einiges Medienecho hervorgerufen, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung.

Preisverleihung:
Samstag, 01.07.2017, 13 Uhr
Black Box im Gasteig, Rosenheimer Straße 5 / 81667 München
Der Eintritt ist frei.

Danach findet von 14.30 bis 16.30 im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz das traditionelle Filmseminar statt. Gezeigt wird die Dokumentation Marina, Mabuse und Morituri mit anschließendem Filmgespräch und kleiner Feier im Foyer. Der Eintrittpreis beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro, Kartenreservierung wird empfohlen per Email an karten.interfilmakademie@gmail.com.

Hamburger Filmgespräch: „The Machinist“

USA 2004 | 101 min. | Regie: Brad Anderson | mit Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, Aitana Sánchez-Gijón u.a.
Dienstag, 16.05.2017, 21:15
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Der Maschinist Trevor Reznik hat seit einem Jahr nicht mehr geschlafen. Seine Schlaflosigkeit hat zu einem schockierenden Verfall seiner körperlichen und geistigen Verfassung geführt, den seine Kollegen mit Argwohn, seine einzigen Bezugspersonen – die Prostituierte Stevie und die Kellnerin Marie – mit Sorge verfolgen. Dann verschuldet Trevor auch noch einen Arbeitsunfall, bei dem ein Mann einen Arm verliert. Seine Schuldgefühle weichen jedoch bald einem wachsenden Misstrauen und schließlich einer ausgewachsenen Paranoia, als er in seiner Wohnung kryptische Notizen findet und von einem mysteriösen neuen Arbeitskollegen verfolgt wird, den es gar nicht geben soll.

Der Einfluss Dostojewskijs auf amerikanische Intellektuelle wurde von Horst-Jürgen Gerigk ausführlich beschrieben. Brad Andersons Interpretation der Verbrechen-und-Strafe-Thematik, unheimlich-düster und traurig zugleich, ist nicht nur mit zahlreichen Zitaten versehen (so liest die Hauptfigur Der Idiot, in einer Geisterbahn flackert Crime and Punishment auf), sondern beschreibt auch ein von der Kriminologie häufig bestätigtes Phänomen: dass eine begangene Schuld auch für den Täter eine unglaubliche, psychisch kaum verarbeitbare Belastung darstellen kann.

Die Hamburger Filmgespräche werden von der Interfilm-Akademie in Kooperation mit dem Hamburger Kino Metropolis veranstaltet. Es moderieren der Filmemacher Franz Indra und der Autor Stefan Preis.

Hamburger Filmgespräch: „An American Crime“

USA 2007 | 98 min. (OmU) | Regie: Tommy O’Haver | mit Ellen Page, Hayley McFarland, Nick Searcy u.a.
Dienstag, 28.03.2017, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

1965 wurde ein 16-jähriges Mädchen im beschaulichen Bundesstaat Indiana von ihrer Pflegemutter und deren eigenen Kindern in den Keller gesperrt und schwer misshandelt. Die Willkür und Bodenlosigkeit dieses Verbrechens war ein tiefer Schock für die amerikanische Öffentlichkeit. Tommy O’Havers Verfilmung gelingt es, den Fall in schier unerträglicher Intensität nachzuzeichnen.

Die Hamburger Filmgespräche werden von der Interfilm-Akademie in Kooperation mit dem Hamburger Kino Metropolis veranstaltet. Es moderieren der Filmemacher Franz Indra und der Autor Stefan Preis.

Dojo-Videos

In Zusammenarbeit mit dem Aikikai Deutschland e.V. bereise ich zur Zeit das Land und erstelle Image-Videos für Aikido-Dojos. Eine sehr zufriedenstellende Arbeit: Ich habe bislang nur freundliche Aikidokas getroffen, und in jedem Dojo haben sie eigene Ideen für die Gestaltung der Filme.

Das Video für Tokai Sports in Flensburg ist wie ihre Webseite in schwarz/weiß gehalten. Die Teilnehmer erzählen kurz, wie sie zum Aikido gekommen sind und warum sie hier bei Axel und Silke trainieren. Die Kinder waren dabei viel auskunftsfreudiger als die Erwachsenen…

Auch für die Aikido-Schule Wuppertal habe ich sowohl Erwachsenen- (von Ludger und Miko) als auch Kinder-Training (von Detlef) gefilmt, das geräumige Dojo bot viel Platz dafür. Diese Kinder waren vielleicht fit!

 

Am Video für die Aikido-Schule Greifswald wurde wohl am meisten geschliffen und gearbeitet, Alexander hatte sehr präzise visuelle Ideen. Das sieht man dem Ergebnis aber auch an!

Die Videos für den TSV Reinbek sind stumm, da sie für den Einsatz als Endlosschleife im Schaufenster gedacht sind. Rüdiger führt gewohnt souverän durch das Programm, am Ende war die Ausbeute so reichhaltig, daß gleich zwei Videos daraus geworden sind.

 

Mitglieder des Aikikai Deutschland können eine großzügige Subvention erhalten, aber natürlich übernehme ich Arbeiten für alle Dojos (auch von anderen Budo-Arten).

50 Jahre Aikido in Deutschland

In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entwickelte Ueshiba Morihei aus Jujutsu und anderen Kampfkünsten das Aikido. Es enthält nur Verteidigungstechniken, meist in spiralförmigen Bewegungen. Im Mittelpunkt steht die harmonische Lösung eines Konflikts, der Angreifer soll nicht besiegt oder gar getötet werden.

Kurz vor seinem Tod schickte O Sensei („der große Meister“) seine besten Schüler in die Welt hinaus, um Aikido zu verbreiten. So landete ein junger Japaner namens Katsuaki Asai Anfang der Sechziger Jahre in Münster in einem ihm völlig unbekannten Land, das seinerseits auf fernöstliche Lehren wenig vorbereitet war.

Doch die unmöglich erscheinende Mission führte zu einem unerwarteten Erfolg: Inzwischen längst zum Großmeister gereift, begeistert er mit scharfem Blick und stillem Humor eine Generation nach der anderen für die friedliche Kampfkunst.

Meister Asais Reise durch Deutschland dauert inzwischen 50 Jahre.

Da ich seit vielen Jahren Aikido selbst begeistert ausübe, hat es mich besonders gefreut, den Jubiläumslehrgang zum 50-jährigen Jubiläum filmen zu dürfen! Wir erleben vier Tage Lehrgänge und Feiern, japanische Großmeister sind angereist und kommen ausführlich zu Wort. Neben dem 135-minütigen Film gibt es etliche Extras.

Die DVD kann im Online-Shop der Aikiai Deutschland bestellt werden. (Ich verdiene an diesen Verkäufen nicht mit, diese Werbung mache ich gerne gratis.)

Klein, aber fein – Mannheim 2016

65. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2016
10. bis 20. November 2016

Die Festival-Lounge

Die Festival-Lounge

Das Mannheimer Filmfest mag vielleicht nicht jedem ein Begriff sein, es existiert jedoch durchgehend seit 1952 und ist damit eines der ältesten der Welt. Zudem ist es weltweit das einzige internationale Filmfestival, das ausschließlich Premieren von Newcomer-Regisseuren präsentiert. Neben dem Stadthaus und einem Filmkunstkino in Mannheim wird es seit einigen Jahren gemeinsam mit Heidelberg veranstaltet, momentan leider nur als Verlegenheitslösung in den ehemaligen amerikanischen Baracken.

Ja, das Mannheimer Filmfest ist klein, aber es macht das Beste daraus. Die Organisatoren umsorgen ihre Gäste und sorgen für eine angenehm freundliche Atmosphäre, Vorführungen und Gespräche finden räumlich und zeitlich konzentriert statt, und abends geht man einfach die Treppe rauf zum Empfang: Noch nie war Begegnung so einfach.

Michael Kötz, Direktoren-Urgestein seit 24 (!) Jahren, blickt im Programmheft ironisch auf die Irrungen und Wirrungen seiner Arbeit zurück, mit teils kuriosen Wendungen in der Kommunalpolitik. Inzwischen scheint das Festival aber fest im Sattel zu sitzen, oder wo sonst stellt ein Stadtrat einen Sitzungssaal mal anderthalb Wochen für Veranstaltugen zur Verfügung?

Die Ökumenische Jury (v.l.n.r. Dominik Gehringer, Ingrid Glatz-Anderegg, Nicola Cara, Magali Van Reeth und Franz Indra)

Die Ökumenische Jury (v.l.n.r. Dominik Gehringer, Ingrid Glatz-Anderegg, Nicola Cara, Magali Van Reeth und Franz Indra)

Unsere Jury konnte leider keinen Blick in die anderen Reihen werfen, zu umfangreich war bereits die Auswahl der International Newcomer Competition. Diese erwies sich aber erfreulicherweise bis auf ganz wenige Ausnahmen als stark besetzt – und das bei lauter Erstlingen. Eine Auswahl: Die Belgierin Annick Ghijzelings reist in ihrem Essay 27 Times Time der Zeit rund um die Welt hinterher, Ciaran Creagh führt im irischen In View eine wirklich grimmige Geschichte von Schuld und Sühne zu ihrem düsteren Ende, während sich im heiteren Lost in Armenia des Franzosen Serge Avedikian ein Schauspieler in eine unfreiwillige Köpenickiade im Grenzland zwischen Nationalismus und Schelmenstück verirrt.

Aus den USA kamen zwei sehr unterschiedliche Beiträge. Erica Fae erzählt in To Keep the Light klassisch und streng die historisch angelehnte Emanzipationsgeschichte einer Leuchtturmwärterin aus dem 19. Jahrhundert, die einen (Traum?)Mann aus dem Wasser fischt. Im inspiriert schrägen Calico Skies dagegen darf Tom Sizemore in einem Wüstenkaff vor sich hin modern und mosern, bis er mit einem Knall aus seiner Lethargie erwacht. Regisseur Valerio Esposito und Produzentin Cristina Fanti stammen beide aus Italien, lernten sich aber erst in Kalifornien kennen, wohin beide vor den heimischen Finanzierungsbedingungen geflüchtet waren.

Für einigen Aufruhr sorgte Reseba – The Dark Wind des Deutsch-Irakers Hussein Hassan. Diffamierung der Jesiden wurde dem Film vorgeworfen, es gab sogar eine kleine Demonstration. Ausgerechnet (wie üblich) gegen so einen Film, möchte man hinzufügen. Er handelt von der Leidensgeschichte einer vom IS entführten Braut, deren Schwiegereltern in spe ihr nach der Befreiung aus der Sklaverei die Heirat mit ihrem Sohn verweigern: Sie ist jetzt ja nicht mehr rein. Der Film bleibt dabei so didaktisch und holzschnittartig brav, erfüllt vom tiefen Bestreben, allen gerecht zu werden und niemanden zu beleidigen, daß er auf Fundamentalisten und Hetzer (egal welcher Couleur) wohl gerade dadurch wie ein rotes Tuch wirkt. Daß der Regisseur es geschafft hat, mit Einheimischen an Originalschausplätzen zu drehen, grenzt freilich an ein kleines Wunder.

Auch in Another Time geht es um gesellschaftlichen Druck im religiösen Mantel, die Tochter ist unverhofft schwanger. Professionell und souverän, wie vom iranischen Kunstkino gewohnt, entfaltet sich ein Sittenbild ohne eindimensionale Bösewichte, in dem sich alle Figuren entwickeln dürfen. Regisseurin Nahid Hassanzadeh taucht die Erzählung in kaltes Winterlicht.

Stark an Emir Kusturicas Balkan-Grotesken, aber auch an Jean-Pierre Jeunets magisches Kino erinnert Train Driver’s Diary. Der kauzige alte Zugführer und sein frisch aus dem Märchen adoptierter Zögling überfahren bei ihrer Arbeit erschreckend häufig Menschen und gehen auf sehr unterschiedliche Weise damit um. Für makabre Komödien eher ungewöhnlich vergißt der Film dabei aber nicht, was Mitgefühl und Menschlichkeit sind. Der serbische Regisseur Milos Radovic erhielt gleich vier Auszeichnungen, darunter eine lobende Erwähnung der Ökumensichen Jury, und nannte sich bei seinen leicht slapstick-haften Auftritten den wohl ältesten Debütanten. (Er geht auf das Rentenalter zu.)

The Nest of the Turtledove schließlich handelt von Daryna, die ihr ärmliches Zuhause samt Ehemann hinter sich gelassen hat (nur auf Zeit, wie sie sich selbst versichert), um im reichen Westen als Hausmädchen zu dienen. Ein gefährlich klischee-hafter Ansatz, dem der Regisseur Taras Tkachenko in dieser ukrainisch-italienischen Koproduktion jedoch zu keinem Zeitpunkt auf den Leim geht. Hinter der nüchtern ablaufenden Geschichte entwickelt er ziemlich subtil noch ganz andere Aspekte: wie die Beziehungen und Bedürfnisse aller vom Geld getrieben sind etwa, aber auch die unterschiedliche Einbettung des Lebens in den Glauben. Alle Beteiligten schlingern durch einen moralischen Graubereich und kämpfen darum, nicht abzustürzen. The Nest of the Turtledove erhielt den Preis der Ökumenischen Jury; diese bestand aus dem Kameramann Nicolae Cara, dem Filmemacher Franz Indra, der Filmkritikerin Magali van Reeth und dem Seelsorger Dominik Gehringer, unter Leitung der Pastorin Ingrid Glatz-Anderegg.

Weitere Gespräche finden sich in meinem Vimeo-Kanal, Videos der Preisverleihungen sind im Vimeo-Kanal des Festivals abrufbar.

2. Hamburger Filmgespräch: „Paranoid Park“

USA 2007 | 85 min. (OmU) | Regie: Gus Van Sant | mit Gabe Nevins, Daniel Liu, Taylor Momsen u.a.
Dienstag, 10.01.2017, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Im Januar werden die Hamburger Filmgespräche fortgesetzt, eine neue Filmreihe der Interfilm-Akademie München in Kooperation mit dem Kino Metropolis und unter Beteiligung des Weißen Rings.

Dostojewskij in Portland: Als moderne Variante der „Verbrechen und Strafe“-Thematik wird die traurige Geschichte eines isolierten Jugendlichen erzählt, der den Tod eines Menschen verschuldet, „eine irritierende Studie der Langeweile, Desorientierung und der erschreckenden Abwesenheit von Empathie und Moralität“ (Lexikon des Internationalen Films).

Seitdem das Medium Film besteht, beschreibt und erklärt es gesellschaftliche Phänomene, u.a. auch Ursachen und Erscheinungsformen von Kriminalität. Als zweiten Beitrag der Kriminologischen Filmreihe zeigt die Interfilm-Akademie München Paranoid Park von Gus Van Sant, der schonungslos die Ursachen für Jugendgewalt hinterfragt und nicht eindeutig die Grenzen zwischen Täter und Opfer defniert. Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis.

Die Interfilm-Akademie München ist ein internationales Forum, das den Dialog zwischen Film, Kultur und Religion fördert. Sie richtet sich an Menschen, die auf zeitgemäße Weise nach Sinn fragen wollen. Der Weiße Ring e.V. ist ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten.

1. Hamburger Filmgespräch: „Elephant“

USA 2003 | 78 min. (OmU) | Regie: Gus Van Sant | mit Alex Frost, Eric Deulen, Matt Malloy u.a.
Sonntag, 16.10.2016, 19:00
Metropolis, Kleine Theaterstr. 10 / 20354 Hamburg

Nächste Woche starten die Hamburger Filmgespräche, eine neue Filmreihe der Interfilm-Akademie München in Kooperation mit dem Kino Metropolis und dem Weißen Ring.

Ein Tag an einer ganz normalen US-High School: Es dreht sich alles um Unterricht, Freunde, Klatsch und Tratsch, Klassenarbeiten, Sport und Gewalt.

Wie beiläufig wird die Vorbereitung eines Mass Shootings zweier Freunde erzählt. Nichts weist explizit auf ihr Vorhaben hin. Die Handlung bezieht sich frei auf den Amoklauf an der Columbine High School 1999. Die nüchterne und gleichzeitig radikal schonungslose Inszenierung Van Sants über die Unerklärbarkeit einer solchen Tat und die Sinnlosigkeit des Todes ist bisher einzigartig in der Filmgeschichte und wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Seitdem das Medium Film besteht, beschreibt und erklärt es gesellschaftliche Phänomene, u.a. auch Ursachen und Erscheinungsformen von Kriminalität. Den Auftakt einer Kriminologischen Filmreihe macht am 16. Oktober 2016 um 19 Uhr im Metropolis Elephant – ein ebenso kritischer wie kontroverser Film, der sich mit dem Phänomen des Amoklaufs auseinandersetzt. Moderiert wird die Veranstaltung vom Filmemacher Franz Indra und dem Autor Stefan Preis.

Die Interfilm-Akademie München ist ein internationales Forum, das den Dialog zwischen Film, Kultur und Religion fördert. Sie richtet sich an Menschen, die auf zeitgemäße Weise nach Sinn fragen wollen. Der Weiße Ring e.V. ist ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten.

Wir sind der Mob!

Was passiert, wenn „besorgte Bürger“ meinen, einen Freibrief für Ausländerfeindlichkeit und schamlose Hetze zu besitzen, wird man kommendes Wochende bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wieder beobachten können. Dazu ein kleiner Kommentar, der mir ein großes Bedürfnis war:

Ich bitte darum, dieses Video weiterzuverbreiten!

Es ist zugleich der Auftakt meines Video-Blogs Lobsterphone. Man kann ihn bei Vimeo oder YouTube abonnieren.

Die iranische Schauspielerin Fatemeh Motamed Arya auf dem Filmfest München

Todd Solondz auf dem Filmfest München

 

 

Neuer Direktor der Interfilm-Akademie

Zum neuen Direktor der Interfilm-Akademie wurde Peter Marinković berufen als Nachfolger von Pfarrer Eckart Bruchner, der die Interfilm-Akademie seit 1980 geleitet hat und weiterhin als Ehrenpräsident für sie tätig bleiben wird. Der in Dachau geborene Dr. theol. Peter Marinković studierte Evangelische Theologie, Philosophie und vorderasiatische Archäologie in München, Tübingen und Heidelberg. Von 1997 bis 2012 übernahm er neben seiner Tätigkeit als Hochschulpfarrer an der LMU München Lehraufträge an den Universitäten Bayreuth, Salzburg, Augsburg, München und Innsbruck. Seit 2014 ist er Dekan des Evangelisch-Lutherischen Prodekanats München Ost.

Ich selbst bin seit vielen Jahren für die Interfilm-Akademie tätig, z.B. als Jury-Mitglied für den One-Future-Preis wie auch beim diesjährigen Filmfest München. Auch der Film Burkina Faso – Zwischen gestern und morgen entstand im Auftrag der Interfilm-Akademie.

Alle Berlinale-Videos online

Schließlich sind auch die Mitschnitte zu Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 5 und Schluß: Donnerstag (und damit alle zur diesjährigen Berlinale) online.

Berlinale-Videos zu Tag 4 online

Auch die Mitschnitte zu Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 4: Mittwoch sind nun online. (Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 3: Dienstag kam ohne Mitschnitte aus.)

Berlinale-Videos zu Tag 2 online

Nun sind die Mitschnitte zu Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 2: Montag online.

Berlinale-Videos zu Tag 1 online

Inzwischen sind die Mitschnitte zu Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 1: Sonntag online.

Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 5 und Schluß: Donnerstag

Der Trend, daß gehobenes Arthouse-Kino drei Stunden lang sein muß und dabei oft künstlich aufgebläht wirkt, ist wohl glücklicherweise vorbei – na gut, Chamissos Schatten von Ulrike Ottinger dauerte über 700 Minuten, und der Gewinner des Silbernen Bären, A Lullaby to the Sorrowful Mystery von Lav Diaz, schaffte immerhin acht Stunden. Die meisten Filme blieben aber im Dauerbesucher-freundlichem Rahmen.

Ticket Counter Arkaden

Schlangestehen ist des braven Festival-Besuchers Pflicht…

Der Architekt Erik hat das Haus seiner Eltern geerbt und muß sich mühsam von Frau und Tochter überreden lassen, es nicht zu verkaufen, sondern in eine dieser neumodischen Kommunen umzuwandeln, damals, im Dänemark der Siebziger Jahre. Er ist kein reaktionärer Tyrann, aber so recht paßt die neue Freiheit nicht zu ihm. Man ahnt schon, am Ende wird er entweder derjenige sein, der die Gemeinschaft verläßt, oder… Vor zwanzig Jahren hat Thomas Vinterberg gemeinsam mit Lars von Trier Dogma95 aus der Taufe gehoben, Das Fest sorgte international für Furore. Sein neuer Film Kollektivet (Die Kommune) bleibt im Vergleich irgendwie zu nett, auch wenn aus den anfänglichen Hippie-Klischess differenzierte Figuren werden, die Erzählperspektive zwischen Vater und Tochter mäandert und die Mutter sich zur ehrlich tragischen Figur entwickelt. (Trine Dyrholm erhielt für ihre Leistung den Silbernen Bären als beste Darstellerin.) Einmal zitiert Vinterberg sogar sein eigenes Zitat, als die Gruppe zu Weihnachten durch die Räume zieht, wie im Fest, wie in Bergmans Fanny und Alexander.

Das Haus der Berliner Festspiele

Der Bär war los auf den Plakaten und in einem Kurzfilm, das Festival selbst eher ruhig.

Dominik Moll liebt die Farce, das hat er mit Harry meint es gut mit dir und Lemming bereits bewiesen. In Des Nouvelles de la Planète Mars / News From Planet Mars beschwört der gutmütige Trottel Philippe Mars eine Heimsuchung nach der anderen auf sich herab, wegen seiner Menschenfreundlichkeit, deretwegen er von seinen Mitmenschen bloß ausgenutzt bzw. verachtet wird. Diese Art der Komödie fordert einen speziellen Sinn für Humor, sonst quält sie den Zuschauer eher. Am Ende gibt es aber einen Moment, mit dem der ganze Film steht oder fällt.

Retrospektive Deutsches Kino 1966 bot mit Formspiele und First Steps gleich zwei Kurzfilm-Programme auf. Im letzteren waren Frühwerke später bekannter Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Helke Sander, Harun Farocki und May Spils versammelt. Die Moderation machte daraus eine Konfrontation weiblicher mit männlichen Filmemachern, die eher nirgendwohin führte. „Unsere Filme waren damals alle so leicht, wie die Ruhe vor dem Sturm“, meinte Jeanine Meerapfel in der Diskussion. Der Tonmann in Helke Sanders Subjektitüde hieß Holger Meins.

 

 

Hedwig And The Angry Inch - Produzentin Christine Vachon

Ehren-Teddy-Preisträgerin Christine Vachon sorgte für viel gute Laune.

Nichts lief schief auf der diesjährigen Berlinale, man freut sich schon auf das nächste Jahr, aber der große Rausch blieb aus. Für einen echten Knaller sorgte dementsprechend auch kein neuer Film, sondern die Verleihung des Ehren-Teddys an Christine Vachon; der schwul-lesbische, sorry: queere Filmpreis wurde 30 Jahre alt. Christine Vachon hat nicht nur Dutzende Kleinode des Independent Cinema produziert – I Shot Andy Warhol, Happiness, A Dirty Shame und Boys Don’t Cry gehören zu den bekannteren -, auch Filme wie Die Grauzone oder I’m Not There gehen auf ihr Konto, aktuell ist sie mit Carol Oscar-nominiert. Zur Feier des Tages hatte sie aber Hedwig And The Angry Inch mitgebracht, das wilde fake-biopic über die transsexuelle Hedwig, die das geteilte Berlin verläßt, um in der amerikanischen Provinz zu einem „international ignorierten“ Glamrocker zu werden. Eine Schande, daß dieser intelligente und zu Tränen rührende Film damals keinen deutschen Verleih gefunden hat. Im Kino International herrschte Stimmung wie bei der Rocky Horror Picture Show. „Singt mit, wenn ihr die Zeilen kennt“, rief Christine Vachon vor der Vorführung.

Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 4: Mittwoch

Life after life - Regisseur Zhang Hanyi

Regisseur Zhang Hanyi (rechts) und sein Cutter (Mitte)

Traditionell stark vertreten im Bereich des Weltkinos ist das chinesische Kino. Das Debut Life After Life von Zhang Hanyi ist ein geradezu klassischer Vertreter und bietet in der zweiten Hälfte durchaus reizvolle Anklänge an Apichatpong Weerasethakul, wenn die Verwandten ganz selbstverständlich damit umgehen, daß der Geist der toten Mutter aus dem Kind spricht, oder in der großen körperlichen Anstrenung an Kim Kid-Duk, als der Wunsch der Mutter schließlich erfüllt wird, einen Baum umzupflanzen, um wenigstens ihn über die zwangsweise Umsiedlung zu retten. Dazwischen bietet der Film leider auch klassische Klischees – die Einstellungen sind Totalen, wenn nicht Plansequenzen, zu deren Beginn erst einmal alle eine Minute lang starr stehen und auch später im Dialog jeden Satz durch eine Gedenkpause einleiten. Doch während hierzulande vorsorglich Panik vor dem Schrumpfen der chinesischen Wirtschaft geschürt wird, zeigen all diese Filme deutlich die Verwüstungen an Land und Menschen, mit denen das bisherige Wunderwachstum gepreßt wurde.

 

Cosmina Stratan, aus Jenseits der Hügel noch bestens in Erinnerung, spielt in Shelley eine rumänische Hausangestellte in Dänemark, die sich zur Leihmutterschaft überreden läßt. Im abgelegenen Haus im Wald häufen sich schon bald beunruhigende Träume und mysteriöse Geräusche, und sie fürchtet, daß das Baby sie töten will… Leider erschöpft sich der Film in (gelungenen) Effekten, die aber zusammenhanglos aneinandergereiht werden. Atmosphäre kommt immer wieder auf, doch anders als vom Regisseur behauptet bleibt die Tonspur klischeehaft, und Unterbelichtung ist noch kein Kamerakonzept.

 

Manifesto

Cate Blanchett trifft auf den Monolithen aus 2001 (links) und spricht ein Pop-Art-Tischgebet (rechts).

Parallel zur Belinale zeigt der deutsche Videokünstler Julian Rosefeldt im Museum für Gegenwart am Hamburger Bahnhof bis zum 10. Juli die Installation Manifesto. Die ganz wunderbare Cate Blanchett spricht in zehn immens aufwendig gestalteten Szenen historische künstlerische Menifeste, mal als Arbeiterin in einer Müllverbrennungsanlage, mal als Puppenspielerin, als Punk oder Penner. Die (zweifellos so gewollte) Präsentation wirkt leider recht unglücklich: Alle Videos werden in einem Raum projeziert, so daß sich die Tonspuren vermischen und die teils doch komplizierten Texte kaum verständlich sind; außerdem sind sie so getaktet, daß alle zugleich den deklamatorischen Höhepunkt erreichen. Kostüme, Ausstattung und Inszenierung wirken auch bisweilen überladen. Das ist sehr schade, da doch einige witzige und geistvolle Ideen dahinter stecken, etwa wenn Blanchett als biedere Familienmutter ihren Text als Gebet zum Sonntagsbraten spricht, als Nachrichtensprecherin sich selbst über Konzeptkunst interviewt oder als Grundschullehrerin der Klasse Dogma95 erklärt; Höhepunkt dürfte aber die Grabrede sein, in der sie der Gemeinde Dada um die Ohren haut: „No geography, no history, no philosophy, no anything, nothing, nothing.“ Es wäre schön, die Arbeit als zweistündigen Film – mit Untertiteln – im Kino sehen zu können, oder besser noch als in zehn Teilen als Betthupferl im Fernsehen. (Man wird ja noch träumen dürfen.)

Mein kleines Berlinale-Tagebuch – Tag 3: Dienstag

Das Wetter ist dieses Jahr ja außerordentlich milde für Berlinale-Verhältnisse, geradezu schön: nicht wie in der Tiefkühltruhe, so gut wie kein Regen oder Schnee. (Entgegen des Klischees sind übrigens viele Berliner recht freundlich.)

Sony Center

Das Sony-Center wirkt düsterer als das diesjährige Berlinale-Wetter.

Im Forum (und erst recht im Forum Expanded) findet sich das etwas Abseitigere, das nicht so recht auf den roten Teppich paßt. Hachimiri Madness – Japanese Indies from the Punk Years (damit sind die Achtziger-Jahre gemeint) wird im Arsenal-Kino in der Deutschen Cinemathek gezeigt. Erste Home-Movie-artige Gehversuche von Regisseuren wie Sion Sono, die später unter professionellen Produktionsbedingungen weiterhin wilde Filme machen sollten. In Hanasareru Gang von Nobuhiro Suwa erklären die Darsteller zu Beginn ihre Rolle und die Handlung, die dann wieder und wieder folgen wird. Eine Bonnie-und-Clyde-Geschichte, ganz locker und albern erinnert sie an Zur Sache, Schätzchen aus der wilden Zeit des deutschen Films in den Sechzigern. Ich bin vollkommen taub, erklärt er ihr manchmal mitten im Gespräch.

Wayne Wang ist zurück, und er hat „Beat“ Takeshi Kitano mitgebracht – kann da etwas schief gehen? Irgendwie schon: While the Women Are Sleeping erzählt von einem Schriftsteller in der (Ehe- und Berufs-)Krise, derim Hotel ein seltsames Paar kennenlernt: einen älteren Mann und ein sehr junges Mädchen. Er filmt sie jede Nacht im Schlaf. Eine Obsession entwickelt sich, die Fantasie des Autors springt wieder an, aber Francois Ozon hat sich vor ein paar Jahren in Swimming Pool ganz ähnlich und viel überzeugender mit der Kreativität auseinander gesetzt.

Alexanderplatz

Der alte Alexanderplatz

Greta Gerwig ist inzwischen Pflicht geworden für Festivals. Spätestens seit Frances Ha verbindet sie das Independent-Kino mit dem Mainstream. Rebecca Miller, Tochter von Arthur Miller und Ehefrau von Daniel Day-Lewis, läßt sie in Maggie’s Plan ihre Figur der etwas konfusen Großstadt-Intellektuellen variieren: Maggie will sie sich nicht treiben lassen, sondern ihr Leben fest nach ihren Vorstellungen organisieren, und dazu gehört in ihrer momentanen Lebensphase ein Kind, aber kein Mann. Ein unterhaltsames Liebesdreieck (vielleicht auch -Viereck oder -Fünfeck) ist daraus geworden, mit Ethan Hawke und Julianne Moore in einer endlich mal wieder interessanten Rolle. Das Ganze bleibt freilich noch recht harmlos, doch zumindest kann man neben Julie Delpy mit 2 Tage Paris so langsam die Erben erahnen, wenn Woody Allen so in ein paar Jahrzehnten nicht mehr jedes Jahr einen Film machen wird.

© 2017 by Franz Indra