Augentröster   

Filme von Franz Indra

My Week with Marilyn

Sie können diese Filmkritik unbesorgt lesen, ich werde keine entscheidenden Geheimnisse der Handlung verraten.

Der langjährige Fernseh-Produzent und -Regisseur Simon Curtis legt mit My Week with Marilyn sein Kinodebut vor; erzählt wird eine Episode aus dem Leben von Marilyn Monroe - die Dreharbeiten zu einem Film - aus der Sicht des dritten Regie-Assistenten. Es handelt sich um die Verfilmung der gleichnamigen biographischen Erzählung von Colin Clark. (The prince, the showgirl and me, ein weiteres Buch von ihm zum gleichen Thema, wurde vor einigen Jahren bereits als Fernsehdokumentation adaptiert.)

Biographien im Kino sind immer problematisch: Die meisten Filmemacher klappern brav alle wichtigen Stationen ab, und das wahre Leben - noch dazu in so ermüdend repetitiver Form präsentiert - bietet keine funktionierenden Themen oder Spannungsbögen. Das Ergebnis ist meistens hübsch illustrierte Langeweile. Dieser Gefahr entgeht My Week with Marilyn erst einmal durch die Beschränkung auf eine Woche. Doch leider macht der Film recht wenig daraus.

Vor allem die Einleitung ist so konventionell, daß es fast weh tut: Wie aus dem Handbuch reihen sich die Szenen aneinander, die einem den guten Colin als naiven Helden vorstellen, der aber tapfer alle Herausforderungen annimmt und auf geradezu mirakulöse Weise meistert. So entzieht sich der Sohn aus gutem Haus den elterlichen Wünschen nach standesgemäßer Karriere, um sich dem Film (dem “Zirkus”) anzuschließen. Natürlich will ihn bei der Produktionsgesellschaft, bei der er vorspricht, keiner haben, und ebenso natürlich löst er im Handumdrehen die Aufgaben, mit denen er abgewimmelt werden soll.

Alles wird anders, sobald Michelle Williams als Marilyn auftaucht. Obwohl sie ihr eigentlich gar nicht ähnlich sieht (die Perücke wirkt freilich wie ein ikonographisches Erkennungs-Symbol), trifft sie die kleinen Eigenheiten der Bewegungen und Manierismen hervorragend. Die Momente vor der Kamera spielen sowieso nur eine Nebenrolle, viel mehr geht es um Marilyns privates Verhalten, und hier entwirft der Film sehr präzise und respektvoll die Persönlichkeit eines verhaltensauffälligen Menschen voller Selbstzweifel, der vom ganz kleinen Glück träumt und zugleich seine Umgebung rücksichtslos ausnutzt. Michelle Williams spielt Marilyn Monroe ebenso brillant wie ihre völlig anderen Rollen in Brokeback Mountain, Blue Valentine und Meek’s Cutoff (um nur einige zu nennen) und bleibt gemeinsam mit Ryan Gosling die große Schauspiel-Entdeckung Hollywoods der letzten Jahre. Es ist nicht klar zu erkennen, in welchen Teilen die Subtilität der Personenbeschreibung auf Autor, Regisseur oder Darstellerin zurückzuführen ist, in anderen Punkten erreicht der Film diese Qualität jedenfalls nicht. Die recht verklemmte Behandlung von Sexualität etwa liegt, man muß es befürchten, nicht daran, daß die Handlung in den Fünfzigern spielt, sondern an der Regie.

Den Genuß von Michelle Williams’ Auftritt bekommt man hier halt nur im Paket mit den völlig vorhersehbaren Irrungen und Wirrungen der formalen Hauptperson Colin und sehr holzschnittartigen Nebenfiguren wie Arthur Miller und Colins Freundin (Emma Watson in ihrem ersten Auftritt nach den Harry Potter-Filmen). Judy Dench darf eine sehr dankbare Rolle als großherzige alte Dame des Filmgeschäfts spielen, und warum Kenneth Branagh für seine gewohnt hölzerne Darstellung von Laurence Olivier eine Oscar-Nominierung bekam, bleibt ein Geheimnis der Academy.

Meine IMDb-Bewertung: ****** (6 von 10)

My Week with Marilyn, GB/USA, 2011, 99 min.

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Adrian Hodges nach den Büchern von Colin Clark

Kamera: Ben Smithard

Darsteller: Michelle Williams, Eddie Redmayne, Kenneth Branagh, Judi Dench, Emma Watson, Julia Ormond

Aufführungen

Dieses Wochenende findet findet das Kulturfestival Seekult in Friedrichshafen statt, und es freut mich sehr, daß dort gleich drei meiner Filme gezeigt werden:

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch zwei andere Veranstaltungen der letzten Monate nachreichen:

Am 27.08. veranstaltete das Goldbekhaus Winterhude die Blaue Hofnacht mit dem Kurzfilmprogramm Ansichten vom Glück, in dem Eddy hat Besuch lief.

Am 24. 09. wurden beim Kurzfilmabend In Auflösung in der Zinnschmelze in einem sehr schön zusammengestellten Programm Lange Schatten und Carls Schwester (den es auf diesen Seiten noch nicht zu sehen gibt) gezeigt.

Bei diesen beiden Terminen war ich auch anwesend und möchte noch einmal den Veranstaltern und den Zuschauern für die schönen Abende danken.

Ochsenweg

Es freute mich sehr, vor ein paar Jahren ein Feature für einen Mittelalter-Verein drehen zu können: Die Mitglieder der Midgard-Stiftung wanderten eine (leider recht verregnete) Woche im August entlang eines alten Wanderwegs von Dänemark nach Hamburg. Als Ausgangs-Idee diente die Vorstellung, im 9. Jahrhundert vor den Wikingern zu fliehen. Abgesehen von unverzichtbarer Notfall-Ausrüstung wie Feuerlöscher oder medizinischer Versorgung war bis zum Karrenwagen alles nach damaliger Vorlage selbst hergestellt. Übernachtet wurde in Wanderhütten oder dem eigenen Zelt. Die Atmosphäre war ausgesprochen entspannt, besonders schön fand ich, daß einige Familien mit ihren kleinen Kindern an der Wanderung teilnahmen.

Inhaltsbeschreibung

Der Ochsenweg ist einer alter Fernweg, er beginnt im dänischen Viborg und führt bis nach Hamburg hinein. Vor 1.000 Jahren beschritten ihn fromme Pilger, Viehtreiber mit ihren Ochsenherden, Kaufleute und Handwerker sowie in Kriegszeiten Könige und Fürsten mit ihren Heeren auf dem Weg von Nord- nach Mitteleuropa. Im Sommer 2008 hat die Midgard-Stiftung diese Zeit zurück ins Leben geholt: Eine kleine Gruppe Geschichtsbegeisteter reiste nach dem Vorbild der Altsachsen eine Woche lang zu Fuß auf den Spuren der Vorfahren. Ziel war dabei keineswegs eine Flucht in die Vergangenheit, sondern aus dem Nachleben der Geschichte Inspiration für die Zukunft zu gewinnen.
Während des Fußmarsches wurden ausschließlich Gebrauchsgegenstände und Gerätschaften nach historischen Vorbildern verwendet; auf moderne Hilfsgüter wurde verzichtet. Vom Handkarren bis zur Gürtelschnalle wurde die gesamte Ausrüstung von den Teilnehmern selbst hergestellt oder restauriert. Die Wanderung bedeutet für die Teilnehmer mehr als bloße Freizeitbeschäftigung. Aus dem Durchleben der psychischen und physischen Belastungen entstand eine realitätsnahe Erfahrung. Stärken und Schwächen der Ausrüstung sowie menschliche Leistungsgrenzen konnten auf diese Weise in einem authentischen Kontext dokumentiert werden.

Stabliste

Regie, Kamera, Schnitt Franz Indra
Produktion Midgard-Stiftung

Technische Daten

Genre Dokumentation
Länge 13 Minuten
Produktionsland Deutschland
Sprache deutsch
Untertitel englisch
Seitenverhältnis 4 : 3
Farbe ja
Tonverfahren Stereo
Kamera Sony DCR

Burkina Faso - Zwischen gestern und morgen

Vor ein paar Jahren hatte ich die glückliche Gelegenheit, für die Interfilm Akademie München zwei Wochen in Westafrika zu verbringen. Dies war zwar meine erste Reise nach Afrika, und meine Kollegin Christine und ich hatten ein recht volles Programm: Kontakt zur Filmhochschule in Ouagadougou herstellen, Stiftung des Preises Prix Jeunesse Afrique auf dem Filmfestival Fespaco, Begleitung deutscher Austausch-Schüler, Zusammenarbeit mit Wolf Gaudlitz bei seinem Wüstenkino usw.
Dennoch ließen wir die Gelegenheit nicht ungenutzt, unsere Erlebnisse zu filmen und viele interessante Gesprächspartner zu interviewen. Ein kleines Problem bestand nur in der Tatsache, daß ich keine französisch spreche, von den Muttersprachen ganz zu schweigen…

Dies ist der Essay, der dabei entstand:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Inhaltsbeschreibung

Im Frühjahr 2007 begleiten Christine Weissbarth und Franz Indra im Auftrag der Interfilm-Akademie deutsche Austausch-Schüler auf ihrer Reise durch Burkina Faso. Obwohl einer der ärmsten Staaten der Welt, gilt die Hauptstadt Ouagadougou als kulturelles Zentrum Westafrikas. Wir erfahren nicht nur von der politischen Situation Burkina Fasos und erleben Animismus auf dem Land, sondern sehen auch das friedliche Nebeneinander von Christentum und Islam. Die Teilnehmer des Interfilm-Seminars “Jeunesse et Cinema” besuchen dabei auch das FESPACO, das größte Filmfest südlich der Sahara.

Stabliste

Regie, Kamera Christine Weissbarth, Franz Indra
Schnitt Franz Indra
Produktion Interfilm Akademie München
Idee, Redaktion Eckart Bruchner
Original-Musik Mamadou Sanou

Technische Daten

Genre Dokumentation
Länge 36′ 45″
Produktionsland Deutschland
Sprache deutsch, französisch
Untertitel deutsch
Seitenverhältnis 4 : 3
Farbe ja
Tonverfahren Stereo

PseikoMi - On My Mind

Es war 2002, daß dieser Videoclip zu On My Mind von PseikoMi entstand. Man sieht, daß wir viel Spaß hatten, und erfreulicherweise konnten wir Antoines Freundin und Muse für diesen Song als Co-Star gewinnen. (Hinweis: Der Vorspann stammt nicht von mir.)

© 2012 by Franz Indra