Seltsame Träume

Seltsame Träume

Zum 250. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann ist bei Splatting Image, dem “Magazin für den unterschlagenen Film”, ein Essay über Seltsame Träume in BLUE VELVET (1986) und A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) von Stefan Preis und Franz Indra erschienen. Letztes Jahr haben wir anlässlich des Todes von David Lynch ein Hamburger Filmgespräch zu BLUE VELVET veranstaltet.

Oft ist es Nacht in BLUE VELVET. Frank löscht mehrfach das Licht und sagt: „Jetzt ist es dunkel.“ Als Jeffrey das erste Mal Sandy begegnet, taucht auch sie aus dem Dunkel auf. David Lynch sagte 1986 in einem Interview zu seinem Film, es gehe um die „mysteries of darkness and love“. Tatsächlich sind Traum und Realität gleichberechtigt dargestellt und nicht zu unterscheiden. J.F. Maxfield behauptet in seinem Essay über BLUE VELVET sogar, der gesamte Film sei der Traum seines Protagonisten.

Aber man kann das Ganze auch komplexer auffassen: als zwei gespiegelte Welten, die sich gegenseitig träumen. Am Anfang kippt die grotesk überzeichnete Idylle in einen Alptraum, der Film endet auf ähnliche Weise. Protagonisten der Idylle sind Jeffrey und Sandy, ihr Gegen-Paar aus der „Alptraumwelt“ Frank und Dorothy – sie stellen alles dar, was sich ein biederes Pärchen an Bosheit und Verruchtheit vorstellen kann. Es wäre auch kaum zu glauben, dass der unbedarfte Jeffrey dieses Abenteuer unbeschadet überstehen könnte, er errät nicht einmal den Trick eines blinden Bekannten, der seine Finger zählt.

In diesem Sinn sind Frank und Dorothy der Traum von Jeffrey und Sandy. Frank erscheint dabei nicht wie eine konkrete Person – er spielt Kind, bemalt sich mit Lippenstift und küsst Jeffrey, dann verkleidet er sich als Mann im eleganten Anzug. Umgekehrt sind Jeffrey und Sandy der Traum von Frank und Dorothy, der Traum von einem anderen Leben, einer „heilen“ Welt.

Wir sehen lauter Familienbeziehungen. Jeffrey kehrt nach Hause zurück, weil sein Vater schwer erkrankt ist. Dieser ist mit Sandys Vater befreundet. Dorothy hat Mann und Kind verloren, Frank spielt sowohl Mann als auch Kind mit ihr. Wenn Frank ruft: „Baby will ficken!“, und Jeffrey im Schrank zuschaut, bilden die drei geradezu eine monströse Familie.

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